Wenn eine Glocke schweigen muss, bevor der Turm sprechen kann
75 Meter hoch prägt der neugotische Turm der Reformierten Kirche Richterswil seit über 120 Jahren die Silhouette des Dorfs am Zürichsee. Vor kurzem musste die Kirchgemeinde eine der grossen Glocken ausser Betrieb nehmen – aus statischen Gründen. Ein morscher Glockenstuhl, rostige Träger, bröckelnde Steinelemente: Der Turm ist wieder begehbar, muss aber so schnell wie möglich saniert werden, damit alle Glocken erneut läuten können.
Bevor eine Sanierung an einem Baudenkmal beginnen kann, braucht es eine gesicherte Aufnahme des Bestands – Grundlage für die Denkmalpflege und für die Planung der Sanierungsmassnahmen. Die Herausforderung dabei: Zeit. Die Kirchgemeinde brauchte die Daten so schnell wie möglich, um die Sanierungsplanung nicht zu verzögern.
VDE hat deshalb die gesamte Kirche vermessen, priorisiert jedoch zuerst den dringend benötigten Turm in 3D modelliert – inklusive Glockenstuhl, Tragkonstruktion und den vom Wasser geschädigten Bauteilen. 402 Scanpositionen über die gesamte Turmhöhe von 75 Metern, ausgewertet zu einem hochpräzisen 3D-Modell, das der Denkmalpflege und den Planern innert kürzester Zeit zur Verfügung stand. Die Vermessung des restlichen Kirchenschiffs ist bereits erfolgt und wird eventuell für die Modellierung nachgezogen.
Für die Kirchgemeinde bedeutet das: eine belastbare Planungsgrundlage genau dort, wo Eile und Sorgfalt gleichzeitig gefragt sind – ein Wahrzeichen, das erhalten werden soll, und ein Zeit Fenster, das keinen Aufschub duldet.
Was dieses Projekt zeigt: Bei akutem Sanierungsbedarf an historischer Bausubstanz zählt nicht nur die Präzision der Aufnahme, sondern auch, wie schnell verwertbare Daten bereitstehen – manchmal reicht es, zuerst nur den kritischen Bauteil aufzunehmen, statt auf das vollständige Modell zu warten.
Wenn eine Glocke schweigen muss, bevor der Turm sprechen kann