Drei Gebäude, 2'114 Laserscans und nur 1,5 Tage Aufnahmezeit vor Ort: Für ein umfangreiches Renovationsprojekt in Bern durften wir einen bestehenden Gebäudekomplex vollständig digital erfassen und daraus ein detailliertes 3D-Bestandsmodell erstellen.
Bei Renovationen und Umbauten ist eine zuverlässige Bestandsgrundlage entscheidend. Gerade bei grösseren und über viele Jahre gewachsenen Gebäuden entsprechen bestehende Planunterlagen nicht immer vollständig dem tatsächlich gebauten Zustand. Für dieses Projekt bestand unsere Aufgabe darin, drei Gebäude eines Heims für Menschen mit Behinderungen vollständig aufzunehmen und als digitale Planungsgrundlage für die bevorstehende Renovation aufzubereiten.
Für die Aufnahme waren vier Vermesser von VDE gleichzeitig vor Ort. Zum Einsatz kamen unsere terrestrischen Laserscanner RIEGL VZ-600i und RIEGL VZ-400i. Innerhalb von nur 1,5 Tagen wurden insgesamt 2'114 Scanpositionen aufgenommen.
Diese hohe Anzahl an Scans war notwendig, um die drei Gebäude mit ihren zahlreichen Räumen, Korridoren, Treppenhäusern, technischen Bereichen und unterschiedlichen Geschossen möglichst vollständig zu erfassen. Besonders wichtig war dabei eine effiziente Organisation vor Ort, denn der gesamte Gebäudekomplex blieb während der Vermessungsarbeiten in Betrieb.
Ein Heim dieser Grösse kann für eine Bestandsaufnahme nicht einfach stillgelegt werden. Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitende waren weiterhin im Gebäude unterwegs und der normale Tagesbetrieb lief weiter.
Unsere Aufgabe bestand deshalb nicht nur darin, möglichst präzise zu vermessen, sondern die Aufnahme gleichzeitig so zu organisieren, dass der laufende Betrieb möglichst wenig beeinträchtigt wurde. Dank dem parallelen Einsatz von vier Vermessern und mehreren Laserscannern konnten die Arbeiten trotzdem innerhalb von nur eineinhalb Tagen abgeschlossen werden.
Der Umfang des Projekts zeigt sich auch in den erstellten Unterlagen. Die Bestandsaufnahme umfasst das Untergeschoss, Erdgeschoss, 1. bis 6. Obergeschoss, Attikageschoss sowie die Dachaufsicht.
Auf Basis der Punktwolken wurde ein detailliertes 3D-Gebäudemodell erstellt. Aus diesem 3D-Modell wurden anschliessend die benötigten 2D-Pläne abgeleitet, darunter die Grundrisse, 10 Schnitte und 7 Fassadenansichten. Die Pläne enthalten neben der eigentlichen Gebäudegeometrie unter anderem auch Raumflächen, Raumhöhen sowie Angaben zu Boden-, Wand- und Deckenmaterialien.
Bei diesem Projekt war nicht für alle drei Gebäude derselbe Detaillierungsgrad notwendig. Der Grund dafür liegt in der geplanten Renovation. In den einzelnen Gebäudeteilen sind unterschiedliche Eingriffe vorgesehen.
Deshalb wurden Bereiche mit umfangreicheren geplanten Eingriffen im Zeichnungsstandard Premium ausgearbeitet. Für andere Gebäudebereiche war der Zeichnungsstandard Standard ausreichend. Die Untergeschosse sämtlicher Gebäude wurden vollständig im Premium-Standard erstellt. So erhält die weitere Planung genau dort einen höheren Detaillierungsgrad, wo dieser tatsächlich benötigt wird.
Nach Abschluss der Vermessung wurden die aufgenommenen Punktwolken als Grundlage für die gesamte Modellierung verwendet. Das Ergebnis ist ein verformungsgerechtes 3D-Bestandsmodell in ArchiCAD 29.
Dabei wird das Gebäude nicht einfach idealisiert oder begradigt dargestellt. Bestehende Abweichungen und Verformungen werden entsprechend der tatsächlich aufgenommenen Situation berücksichtigt.
Wo möglich, erfolgt die Modellierung mit intelligenten ArchiCAD-Bibliothekselementen. Morph-Elemente werden nur dort eingesetzt, wo sie aufgrund der bestehenden Geometrie tatsächlich notwendig sind. Dadurch entsteht ein Modell, das sich nicht an einem theoretischen Neubauzustand, sondern am real vorhandenen Bestand orientiert.
Das Ziel der gesamten Aufnahme war die Erstellung einer zuverlässigen digitalen Grundlage für die bevorstehende Renovation. Architekten und Fachplaner können damit auf ein einheitliches 3D-Modell zugreifen und ihre weitere Planung auf dem tatsächlich vermessenen Bestand aufbauen.
Die Abgabe erfolgte in ArchiCAD 29, DWG, DXF und PDF. Zusätzlich wurde der RiPANO Punktwolkenviewer zur Verfügung gestellt. Damit kann der aufgenommene Bestand auch nach Abschluss der Vermessung virtuell betrachtet werden. Einzelne Bereiche und Details können direkt in der Punktwolke nachvollzogen werden, ohne für jede Rückfrage erneut vor Ort sein zu müssen.
Von der Aufnahme vor Ort bis zur vollständigen Abgabe des 3D-Modells und der daraus abgeleiteten Pläne vergingen rund 40 Tage. In dieser Zeit wurden die 2'114 Laserscans verarbeitet, die Punktwolken zusammengeführt und daraus das umfangreiche 3D-Bestandsmodell inklusive Grundrissen, Schnitten und Fassaden erstellt.
Damit stand dem Auftraggeber innerhalb kurzer Zeit eine umfassende und direkt nutzbare digitale Grundlage für die weitere Renovationsplanung zur Verfügung.
Das Projekt in Bern zeigt sehr gut, was mit moderner Laserscanning-Technologie heute möglich ist. Drei Gebäude, zahlreiche Geschosse, 2'114 Scanpositionen und ein laufender Gebäudebetrieb – aufgenommen innerhalb von nur 1,5 Tagen.
Aus der Vermessung entsteht anschliessend nicht einfach nur eine Punktwolke, sondern eine direkt nutzbare digitale Planungsgrundlage für die weitere Renovation. Für uns bedeutet moderne Gebäudevermessung deshalb:
Einmal präzise erfassen – danach digital und verlässlich weiterplanen.