Zwei 3D-Bestandsmodelle können dieselbe Genauigkeit aufweisen und sich trotzdem erheblich unterscheiden. Den Unterschied macht der Detaillierungsgrad: Welche Bauteile werden modelliert, welche Details werden berücksichtigt und welche Informationen benötigt der Architekt tatsächlich?
Bei der Bestellung einer Gebäudevermessung steht häufig die Genauigkeit im Vordergrund. Sie sagt aber wenig darüber aus, wie detailliert das Gebäude im Modell dargestellt wird. Bei VDE Villa Digital Engineering AG unterscheiden wir deshalb klar zwischen Genauigkeit und Detaillierungsgrad.
Die Genauigkeit beschreibt, wie zuverlässig die modellierte Geometrie dem tatsächlichen Bestand entspricht. VDE garantiert standardmässig ±2 cm für das fertige 3D-Bestandsmodell, auf Vereinbarung auch ±1 cm.
Der Detaillierungsgrad beschreibt dagegen, welche Bauteile und Einzelheiten im Modell enthalten sind. Ein einfach und ein detailliert modelliertes Bauteil können dieselbe Genauigkeit erfüllen; das detailliertere enthält aber mehr Informationen und verursacht mehr Aufwand. Mehr Details bedeuten somit nicht automatisch eine höhere Genauigkeit.
Besonders deutlich wird der Unterschied bei Wänden älterer Gebäude. In den VDE-Zeichnungsstandards sieht das so aus:
Die Variante Standard ist nicht ungenau. Das Fachwerk gehört lediglich nicht zum vereinbarten Umfang. Für eine gewöhnliche Umbauplanung reicht das oft aus. Sollen einzelne Balken erhalten oder freigelegt werden, lohnt sich die höhere Stufe.
Wichtig: Ein Laserscanner erfasst nur sichtbare Oberflächen. Verdeckte Konstruktionen in geschlossenen Wänden lassen sich nicht allein durch Laserscanning bestimmen.
Bei vielen Bestandsgebäuden reicht es aus, Fenster mit Bibliothekselementen der CAD-Software darzustellen. Abmessungen und Position werden aus der Vermessung übernommen.
Anders bei einem historischen, individuell gefertigten Fenster. Besondere Rahmenprofile, Sprossen oder Verzierungen werden im Premium-Standard individuell nachmodelliert. Wird das Fenster beim Umbau ersetzt, ist dieser Aufwand meist unnötig. Soll es restauriert oder denkmalpflegerisch dokumentiert werden, sind genau diese Details wichtig.
Ein wesentlicher Teil des Aufwands entsteht bei der Modellierung. Ein Bibliothekselement lässt sich effizient anpassen, ein historisches Fenster oder eine Fachwerkwand muss aus zahlreichen Einzelgeometrien aufgebaut werden. Wird diese Detailtiefe bei Hunderten Bauteilen verlangt, steigt der Aufwand entsprechend.
Deshalb können zwei Offerten für dasselbe Gebäude trotz gleicher Genauigkeit stark voneinander abweichen. Der Unterschied liegt dann nicht in der Vermessung, sondern im vereinbarten Detaillierungsgrad.
Bestandsgebäude besitzen individuelle Konstruktionen, nachträgliche Umbauten und handwerklich gefertigte Elemente. Alles vollständig nachzumodellieren wäre enorm aufwendig, und viele Architekten benötigen diese Detailtiefe gar nicht.
VDE arbeitet deshalb mit eigenen Zeichnungsstandards in den Stufen Standard, Hoch und Premium, definiert pro Bauteilkategorie. Innerhalb eines Gebäudes können die Stufen kombiniert werden: So kann für die Umbauplanung der Standard genügen, während das denkmalgeschützte Treppenhaus im Premium-Standard modelliert wird.
Unsere VDE-Zeichnungsstandards im Detail
Es gibt übergeordnete Normen zur Festlegung von Informationsanforderungen, etwa ISO 7817-1 oder das Merkblatt SIA 2051. Sie legen jedoch nicht fest, welche Bauteildetails ein Bestandsmodell bei einem bestimmten Anbieter enthält. Jedes Unternehmen arbeitet mit eigenen Definitionen und Bezeichnungen.
Ein Beispiel: Bei VDE sind die Sparren eines Dachstuhls bereits im Standard enthalten. Bei anderen Anbietern kann genau das eine Zusatzleistung sein. Ein «Premium»-Modell ist deshalb nicht automatisch detaillierter als das «Standard»-Modell eines anderen Anbieters. Vergleichen Sie nicht die Namen, sondern die tatsächlich enthaltenen Leistungen.
Eine präzise Vermessung ist die Grundlage für ein zuverlässiges 3D-Bestandsmodell. Welche Informationen es enthält, bestimmt jedoch der Detaillierungsgrad, und damit auch Aufwand und Preis. Zu viele Details erhöhen zudem Modellgrösse und Komplexität.
Das beste Bestandsmodell ist nicht dasjenige mit den meisten Details, sondern dasjenige mit den richtigen.
Sie planen einen Umbau oder eine Sanierung? Wir unterstützen Sie dabei, den passenden Zeichnungsstandard festzulegen, damit Sie ein Bestandsmodell erhalten, das Ihren Anforderungen entspricht.