5 Liegenschaften, 1'178 Scanpositionen und 1'928 Modellierungsstunden: VDE hat für die mph AG fünf historische Gebäude in der Lenzburger Altstadt vollständig digital erfasst und als verformungsgerechte Bestandsgrundlage modelliert.
Wer durch die Altstadt von Lenzburg geht, erkennt schnell: Kein Gebäude gleicht dem anderen. Unterschiedliche Fassaden, verwinkelte Grundrisse, markante Dachlandschaften und gewachsene Bausubstanz prägen das historische Stadtbild. Genau diese Vielfalt machte das Projekt besonders anspruchsvoll.
Im Auftrag des geschätzten Architekten Hansjörg Erb von der mph AG durften wir fünf historische Liegenschaften mittels 3D-Laserscanning aufnehmen und daraus präzise digitale Bestandsgrundlagen erstellen. Ziel war es, die Gebäude nicht nur geometrisch korrekt zu erfassen, sondern ihre Eigenheiten so abzubilden, dass Architekten und Planende zuverlässig darauf weiterarbeiten können.
Lenzburg: gewachsen, nicht gezeichnet
Die Altstadt von Lenzburg zählt zu den bedeutenden historischen Ortsbildern im Kanton Aargau. Viele Gebäude wurden über Generationen hinweg erweitert, umgebaut und an neue Nutzungen angepasst. Was von aussen selbstverständlich wirkt, zeigt im Innern oft eine komplexe bauliche Realität.
Unterschiedliche Geschosshöhen, schiefe Wände, nicht rechtwinklige Räume, alte Dachkonstruktionen, versetzte Ebenen und Eingriffe aus verschiedenen Epochen gehören hier zum Bestand. Gerade bei historischen Liegenschaften reicht ein vereinfachtes Aufmass selten aus. Gefragt ist eine Grundlage, die den tatsächlichen Zustand realistisch, nachvollziehbar und präzise abbildet.
Fünf Gebäude, fünf Charaktere
Die fünf aufgenommenen Liegenschaften befinden sich alle innerhalb der Lenzburger Altstadt, unterscheiden sich jedoch deutlich in Aufbau, Grösse und Komplexität.
Die Zahlen zeigen deutlich, was bei Bestandsaufnahmen historischer Gebäude oft gilt: Die Anzahl Scanpositionen allein sagt noch wenig über den tatsächlichen Modellierungsaufwand aus.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Vergleich zwischen Objekt C und Objekt E. Objekt E benötigte mit 267 Scanpositionen deutlich mehr Aufnahmen als Objekt C mit 205 Scanpositionen. Trotzdem war der Modellierungsaufwand bei Objekt E mit 327 Stunden etwas tiefer als bei Objekt C mit 339 Stunden. Entscheidend sind also nicht nur Gebäudegrösse oder Anzahl Aufnahmen, sondern auch innere Struktur, Detailtiefe, Dachform, Zugänglichkeit und bauliche Veränderungen im Bestand.
Besonders anspruchsvoll war Objekt D. Mit 387 Scanpositionen und 514 Modellierungsstunden war es das komplexeste Objekt im Projekt. Die hohe vertikale Gliederung, mehrere übereinanderliegende Dachgeschosse und die gewachsene Gebäudestruktur verlangten eine besonders sorgfältige Erfassung und Modellierung.
Objekt A zeigt dagegen, dass auch ein kompakteres Altstadthaus einen hohen Modellierungsaufwand verursachen kann. Historische Wandverläufe, unterschiedliche Bauteilstärken und nicht rechtwinklige Räume machen auch kleinere Objekte anspruchsvoll.
Projektablauf über mehrere Wochen
Die Aufnahme und Auswertung der fünf Gebäude erfolgte gestaffelt über mehrere Wochen. So konnten die einzelnen Objekte sauber koordiniert und gleichzeitig effizient miteinander verbunden werden.
Objekt A wurde innerhalb von rund 5 Kalenderwochen aufgenommen, modelliert und abgegeben. Objekt B und Objekt D erstreckten sich jeweils über rund 7 Kalenderwochen. Objekt C konnte innerhalb von rund 4 Kalenderwochen abgeschlossen werden, während Objekt E rund 5 Kalenderwochen benötigte.
Diese Staffelung war besonders wichtig, da die Gebäude einzeln bearbeitet wurden, sich aber räumlich innerhalb derselben Altstadtstruktur befinden. Dadurch konnten Vorbereitungsschritte sinnvoll kombiniert werden. So war es beispielsweise möglich, bei der Aufnahme eines Objekts bereits Georeferenzierungspunkte für ein weiteres Objekt vorzubereiten. Das erleichterte die spätere Aufnahme und sorgte für einen ruhigeren und effizienteren Ablauf vor Ort.
Erfassung im Altstadtkontext
Für die Aufnahme kamen Riegl Laserscanner zum Einsatz. Alle fünf Gebäude wurden innen und aussen vollständig erfasst. Daraus entstand eine dichte und präzise Punktwolke als Grundlage für die weitere Bearbeitung.
Gerade in einer Altstadt ist die Aufnahme vor Ort anspruchsvoll. Enge Platzverhältnisse, unterschiedliche Zugänge, verwinkelte Innenräume und komplexe Fassadenbereiche verlangen eine sorgfältige Planung der Scanpositionen. Gleichzeitig bietet die Nähe der Gebäude auch Vorteile: Einzelne Arbeitsschritte konnten objektübergreifend vorbereitet und dadurch effizienter umgesetzt werden.
Insgesamt wurden über alle fünf Liegenschaften hinweg 1'178 Scanpositionen aufgenommen.
Von der Punktwolke zum verformungsgerechten Bestandsmodell
Auf Basis der registrierten Punktwolken wurden die Gebäude in ArchiCAD verformungsgerecht modelliert. Entstanden sind detaillierte 3D-Bestandsmodelle inklusive Gelände, Fassaden und Dachlandschaften. Zusätzlich wurden Grundrisse, Schnitte und Fassadenansichten gemäss den Anforderungen des Auftraggebers erstellt.
Die Abgabe erfolgte in den Formaten ArchiCAD, DWG, DXF und PDF sowie auf Basis der Zeichnungsvorlage des Kunden.
Der gesamte Modellierungsaufwand betrug 1'928 Stunden. Alte Dachstühle, unterschiedliche Wandstärken, versetzte Ebenen und bauliche Anpassungen aus verschiedenen Jahrzehnten wurden direkt im Modell abgebildet. Die Bestandsgrundlage wurde verformungsgerecht mit einer Genauigkeit von ±2 cm erstellt.
Warum präzise Bestandsgrundlagen entscheidend sind
Sanierungen und Umbauten im Bestand stehen und fallen mit der Qualität der vorhandenen Grundlagen. Ungenaue oder fehlende Pläne führen oft zu Mehraufwand in der Planung, zu Unsicherheiten auf der Baustelle und zu zusätzlichen Abklärungen während der Ausführung.
3D-Laserscanning schafft hier eine verlässliche Basis. Was früher mit aufwändigen Handaufmassen dokumentiert werden musste, kann heute effizient und vollständig digital erfasst werden. Aus der Punktwolke entsteht ein präzises Modell, das den tatsächlichen Zustand des Gebäudes nachvollziehbar abbildet.
Gerade bei historischer Bausubstanz ist diese Genauigkeit entscheidend. Denn jedes Gebäude erzählt seine eigene bauliche Geschichte. Unsere Aufgabe ist es, diese Geschichte geometrisch sauber zu erfassen und in eine digitale Grundlage zu übersetzen, mit der weitergeplant werden kann.
Wir vermessen alles, was sich nicht wehrt.