Kein Bestandsgebäude ist vollkommen gerade. Wände stehen schief, Decken hängen durch, Böden weisen Unebenheiten auf. Müssen diese Verformungen auch im 3D-Bestandsmodell dargestellt werden? Nicht unbedingt. Massgebend ist, wofür der Architekt das Modell später benötigt.
Beim 3D-Laserscanning wird die tatsächliche Geometrie eines Gebäudes hochpräzise erfasst. Die Punktwolke zeigt den Bestand mit all seinen Besonderheiten. Gerade bei älteren Gebäuden wird dabei sichtbar, wie stark Bauteile im Laufe der Jahre ihre ursprüngliche Form verändert haben.
Bei der Modellierung stellt sich deshalb eine wichtige Frage: Sollen diese Verformungen originalgetreu abgebildet werden, oder ist eine begradigte Darstellung für die weitere Planung sinnvoller? Bei VDE Villa Digital Engineering AG bieten wir beides an. Welche Variante passt, hängt von den Anforderungen des Projekts ab.
In der Praxis unterscheiden wir nicht nur zwischen "gerade" und "verformt", sondern zwischen drei Stufen. Sie unterscheiden sich darin, wie realitätsnah die Geometrie ist und wie einfach sich das Modell später weiterbearbeiten lässt.
Bei einer begradigten Modellierung werden geringfügige Abweichungen bewusst vereinfacht, sofern dies dem vereinbarten Modellierungsstandard entspricht. Das bedeutet nicht, dass ungenau vermessen wurde. Die tatsächliche Geometrie ist in der Punktwolke vollständig erfasst; die Vereinfachung erfolgt erst bei der Modellierung.
Begradigung ist somit eine bewusste Modellierungsentscheidung und kein Messfehler. Der grosse Vorteil: Begradigte Bauteile lassen sich mit den Standardwerkzeugen der jeweiligen CAD-Software einfach weiterbearbeiten. Für gewöhnliche Umbauten ist das oft die zweckmässigste Lösung.
Viele Verformungen sind eben: Eine Wand steht schief, bleibt aber eine flache Fläche. Solche Abweichungen lassen sich realitätsnah darstellen, ohne die parametrischen Werkzeuge zu verlassen.
Nicht jede Verformung ist eben. Eine historische Bruchsteinwand mit Bauchung, eine verwundene Dachfläche oder durchhängende Holzbalken lassen sich mit parametrischen Standardbauteilen nur eingeschränkt abbilden. Hier kommen Freiformelemente zum Einsatz, in ArchiCAD etwa das Morph-Werkzeug.
Diese Elemente bieten maximale geometrische Freiheit, besitzen aber nicht dieselben parametrischen Eigenschaften wie ein reguläres Wandelement. Eine nachträgliche Öffnung oder eine Änderung des Wandaufbaus ist entsprechend aufwendiger.
Für BIM-Projekte gibt es eine wichtige Relativierung: In ArchiCAD kann ein Morph als Wand klassifiziert werden. Die BIM-Information bleibt damit auch im IFC-Export erhalten, nur die parametrische Bearbeitbarkeit geht verloren. Ein möglichst realitätsgetreues Modell ist also nicht automatisch das am einfachsten weiterbearbeitbare.
Ein älteres Gebäude hat eine Wand, die über ihre Höhe 3 cm aus dem Lot steht. Die Punktwolke bildet diese Neigung ab. Je nach Stufe entsteht ein anderes Modell.
Alle Varianten basieren auf derselben Vermessung. Der Unterschied liegt ausschliesslich in der Modellierung und in der Frage, ob die Neigung für die weitere Planung benötigt wird.
Dieser Punkt wird bei der Beurteilung von Bestandsmodellen häufig übersehen. VDE garantiert standardmässig eine Genauigkeit von ±2 cm für die gemäss vereinbartem Standard modellierte Geometrie, auf Vereinbarung auch ±1 cm.
Wird eine Wand im Rahmen des vereinbarten Standards begradigt, kann ihre modellierte Geometrie bewusst von der tatsächlichen Verformung abweichen. Das ist kein Widerspruch zur Genauigkeitsgarantie, sondern Ergebnis einer gewählten Modellierungsweise. Deshalb gehört eine klar definierte Begradigungsgrenze zu jedem Modellierungsstandard: Bis zu welcher Abweichung wird begradigt, ab wann wird verformungsgerecht modelliert?
Genauigkeit, Modellierungsstandard und zulässige Vereinfachungen sollten deshalb bereits vor Projektbeginn festgelegt werden.
Die Wahl der Modellierungsweise ist bei VDE fester Bestandteil der Projektabklärung. Wir berücksichtigen dabei auch die spätere Bearbeitbarkeit in der gewünschten Software. VDE modelliert unter anderem nativ in ArchiCAD, Vectorworks, Revit und Allplan.
Zeigen sich bei der Auswertung Verformungen, die Freiformelemente erfordern würden, informieren wir den Architekten über die Auswirkungen auf die Weiterbearbeitung. Anschliessend wird gemeinsam entschieden. Nicht VDE allein bestimmt, wie stark ein Gebäude vereinfacht wird, sondern die Anforderungen des Architekten und der vereinbarte Standard.
Moderne Laserscanner erfassen die tatsächliche Geometrie eines Gebäudes hochpräzise. Wie diese Geometrie im Modell dargestellt wird, ist eine bewusste Entscheidung zwischen Realitätsnähe und Bearbeitbarkeit.
Das beste 3D-Bestandsmodell ist nicht dasjenige, das jede Verformung abbildet, sondern dasjenige, das den Anforderungen der weiteren Planung am besten entspricht. Oft liegt die beste Lösung in der Mitte: realitätsnah, aber parametrisch.
Sie benötigen ein 3D-Bestandsmodell für einen Umbau oder eine Sanierung? VDE unterstützt Sie bei der Wahl der passenden Modellierungsweise und erstellt Ihr Bestandsmodell nativ in der gewünschten CAD-Software.