134’971 m² Grundstücksfläche, 40’476 m² Gebäudefläche und 5’017 Laserscans
Wenn wir intern über Projekte sprechen, die uns nachhaltig beeindruckt haben, fällt früher oder später immer das IOE-Areal in Otelfingen.
Nicht weil einzelne Gebäudeteile besonders kompliziert waren oder aussergewöhnliche Sonderlösungen entwickelt werden mussten. Beeindruckend war vielmehr die Dimension des Projekts. Selten treffen eine derart grosse Fläche, mehrere Gebäude, tausende Scanpositionen und ein so eng abgestimmtes Team aufeinander.
Im Sommer 2022 erhielten wir den Auftrag, das Industrieareal an der Industriestrasse 19, 21 und 23 vollständig digital zu erfassen. Ziel war die Erstellung eines digitalen Zwillings als Grundlage für die zukünftige Umbauplanung und die langfristige Weiterentwicklung des Areals.
Ein Projekt mit aussergewöhnlichen Dimensionen
Bereits die ersten Kennzahlen zeigen, weshalb dieses Projekt bis heute zu den grössten Industrieprojekten gehört, die wir bei VDE realisieren durften.
Das Projekt umfasste fünf Parzellen mit einer gesamten Grundstücksfläche von 134’971 m². Darauf befinden sich drei Industriegebäude mit einer gesamten Gebäudefläche von 40’476 m², die vollständig digital erfasst und modelliert wurden.
Neben den Gebäuden wurden auch sämtliche relevanten Aussenbereiche aufgenommen. Dazu gehörten unter anderem Gleisanlagen, Mauern, Schächte, Strommasten, Strassenbeleuchtungen, Bäume sowie weitere Geländeelemente. Dadurch entstand nicht nur ein Gebäudemodell, sondern ein vollständiger digitaler Zwilling des gesamten Industrieareals.
Bereits in der Projektvorbereitung war klar, dass die grösste Herausforderung nicht ein einzelnes Gebäude sein würde, sondern die Koordination eines Projekts dieser Grössenordnung.
5’017 Laserscans in nur einer Woche
Was mich persönlich bis heute beeindruckt, ist die Geschwindigkeit, mit der unser Team dieses Projekt umgesetzt hat.
Drei Vermessungsspezialisten erfassten das gesamte Areal innerhalb von nur fünf Arbeitstagen. Am Ende standen 5’017 Scanpositionen, aufgenommen mit drei RIEGL VZ-400i Laserscannern.
Wer regelmässig mit 3D-Laserscanning arbeitet, weiss, was hinter einer solchen Zahl steckt. Jeder einzelne Scan muss geplant, aufgenommen, kontrolliert und später registriert werden. Bereits einige hundert Scanpositionen stellen hohe Anforderungen an die Datenorganisation. Bei über fünftausend Scans entstehen Datenmengen, die nur mit klar definierten Prozessen und einem eingespielten Team effizient verarbeitet werden können.
Als wir nach Abschluss der Vermessung die vollständige Punktwolke betrachteten, wurde uns die tatsächliche Dimension dieses Projekts erst richtig bewusst.
Die eigentliche Herausforderung begann nach der Vermessung
Die Datenerfassung war jedoch nur der erste Schritt.
Die eigentliche Herausforderung bestand darin, die enorme Datenmenge in einen nutzbaren digitalen Zwilling zu überführen.
Während die Vermessung abgeschlossen war, begann parallel bereits die Modellierung. Insgesamt arbeiteten 15 Modellierer an der digitalen Umsetzung. Über 2’234 Modellierungsstunden flossen in die Erstellung des Gesamtmodells.
Rückblickend war genau dieses Zusammenspiel zwischen Vermessung und Auswertung das Beeindruckendste am gesamten Projekt.
Denn ein digitales Modell dieser Grössenordnung entsteht nicht durch einzelne Spezialisten, sondern durch perfekt abgestimmte Teamarbeit. Jeder Modellierer bearbeitet einen Teilbereich, gleichzeitig müssen Standards, Strukturen und Schnittstellen jederzeit übereinstimmen. Nur so entsteht am Ende ein Modell, das zuverlässig als Planungsgrundlage genutzt werden kann.
Gerade bei grossen Industrieprojekten zeigt sich, dass moderne Laserscanning-Technologie allein nicht ausreicht. Erst die enge Zusammenarbeit zwischen Vermessung, Datenmanagement und Modellierung macht aus Millionen von Messpunkten einen echten digitalen Zwilling.
Vom Laserscan zum digitalen Zwilling
Das Ziel des Projekts war weit mehr als eine klassische Bestandsaufnahme.
Der Auftraggeber benötigte eine digitale Grundlage für zukünftige Umbauten und die langfristige Entwicklung des gesamten Areals.
Deshalb wurden sämtliche drei Industriegebäude als detaillierte 3D-Modelle in Vectorworks aufgebaut. Zusätzlich entstand ein umfassendes Geländemodell, das die gesamte Umgebung einschliesslich Infrastruktur und Aussenanlagen abbildet.
Zum Lieferumfang gehörten unter anderem:
• vollständige 3D-Modelle der Gebäude
• Fassaden inklusive Fugenbild
• Materialisierung von Wänden, Böden und Decken
• IFC-Modelle
• registrierte E57-Punktwolken
• RiPANO-360°-Viewer
• vollständiges Geländemodell
Dadurch erhielt der Auftraggeber einen digitalen Zwilling, der weit über eine klassische Vermessung hinausgeht und als Grundlage für zukünftige Planungs- und Umbauprojekte dient.
Teamarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Wenn ich heute auf dieses Projekt zurückblicke, denke ich nicht zuerst an die über 134’000 m² Grundstücksfläche oder die 5’017 Scanpositionen.
Ich denke an das Zusammenspiel unseres Teams.
Drei Vermesser vor Ort und 15 Modellierer im Büro arbeiteten Hand in Hand, damit aus einer riesigen Punktwolke ein präzises, strukturiertes und nutzbares BIM-Modell entstehen konnte.
Genau diese Zusammenarbeit macht für mich den eigentlichen Erfolg dieses Projekts aus.
Sie zeigt, dass grosse Industrieprojekte nicht nur leistungsfähige Laserscanner benötigen, sondern vor allem erfahrene Mitarbeitende, klare Prozesse und eine perfekt abgestimmte Organisation.
Ein digitaler Zwilling als Grundlage für die Zukunft
Industrieareale verändern sich laufend. Gebäude werden erweitert, Produktionslinien angepasst und Nutzungen verändert.
Mit einem digitalen Zwilling stehen alle relevanten Bestandsdaten dauerhaft zur Verfügung. Planer, Architekten und Bauherren können auf einer präzisen Grundlage arbeiten, ohne für jede Fragestellung erneut umfangreiche Vermessungen durchführen zu müssen.
Das IOE-Areal in Otelfingen zeigt eindrücklich, welches Potenzial moderne Gebäudevermessung, 3D-Laserscanning und Scan-to-BIM heute bieten. Es ist bis heute eines der Projekte, auf das wir besonders stolz sind – nicht nur wegen seiner Grösse, sondern vor allem wegen der Teamleistung, die dahintersteht.
Planen Sie die Digitalisierung eines Industrieareals?
Ob Produktionsstandort, Logistikzentrum oder komplexes Industrieareal – VDE unterstützt Unternehmen, Architekten und Planer bei der Erstellung präziser digitaler Zwillinge.
Mit modernem 3D-Laserscanning, Scan-to-BIM und über zehn Jahren Erfahrung schaffen wir die digitale Grundlage für sichere Entscheidungen und erfolgreiche Umbauprojekte.