Im Zürcher Seefeld durften wir ein anspruchsvolles Umbauprojekt mit einer präzisen digitalen Grundlage begleiten. In dieser Fallstudie berichtet die verantwortliche Architektin aus erster Hand über ihre Erfahrungen mit dem 3D-Bestandsmodell aus Punktwolkendaten, das wir direkt vor Ort aufgenommen haben.
Der Fokus liegt dabei nicht auf der Technologie selbst, sondern auf dem konkreten Mehrwert im Planungsalltag: Wie verändert sich die Arbeit, wenn Plan und Realität deckungsgleich sind? Welche Entscheidungen lassen sich früher, sicherer und fundierter treffen? Und wo liegen auch die Herausforderungen eines sehr präzisen Modells im Umgang mit dem Bestand?
- Ausgangslage vor dem 3D-Bestandsmodell
Die Ausgangslage war ein klassischer Bestand: fragmentierte und teilweise veraltete Planunterlagen.
Die grösste Unsicherheit lag in der Übereinstimmung zwischen Plan und Realität – insbesondere bei Geschosshöhen, Deckenaufbauten, Durchbrüchen und Anschlussdetails. Für eine präzise Weiterplanung fehlte eine belastbare, räumlich konsistente Grundlage.
- Weiterarbeit mit dem VDE-3D-Bestandsmodell
Das VDE-3D-Bestandsmodell wurde direkt als Planungsgrundlage verwendet.
Es diente nicht nur als Referenz, sondern als aktives Arbeitsmodell für die Entwicklung von Varianten, Schnitten und Detailanschlüssen. Anpassungen erfolgten projektbezogen, jedoch immer auf Basis des bestehenden Modells, wodurch Medienbrüche und Interpretationsverluste vermieden wurden.
- Spürbare Vorteile im Planungsalltag und Herausforderungen
Im Alltag zeigte sich vor allem eine deutlich erhöhte Planungssicherheit. Kollisionen, Höhenprobleme und räumliche Abhängigkeiten waren früh erkennbar. Entscheidungen konnten fundierter und schneller getroffen werden.
Zusätzlich konnten die automatisierten Raumstempel direkt mit dem Auswertungswerkzeug verknüpft werden, wodurch sich Flächenlisten automatisiert generieren liessen.
Dies erwies sich insbesondere für die Nutzflächenberechnung gemäss SIA 416 als grosser Mehrwert, da die Auswertungen konsistent, nachvollziehbar und jederzeit aktualisierbar waren.
- Kritischer Projektmoment
Ja. Gerade im Umgang mit dem Bestand, insbesondere bei Altbauten, zeigte sich, dass gewisse Bauteile und Details sehr präzise modelliert waren und für die Weiterplanung teilweise vereinfacht werden mussten.
Diese Übergenauigkeit erforderte zwar punktuell Anpassungen, erwies sich jedoch als klarer Vorteil: Lieber ein zu genaues Bestandsmodell als ungenaue oder fehlende Informationen.
So konnten relevante Abweichungen früh erkannt, bewusst abstrahiert und planerisch sauber gelöst werden – statt sie erst auf der Baustelle korrigieren zu müssen.
- Mehrwert in Bezug auf Planungssicherheit, Zeit und Entscheidungen
Das 3D-Bestandsmodell führte zu einer klaren Reduktion von Planungsrisiken, weniger Rückfragen und einer effizienteren Abstimmung im Team.
Zeitaufwände verschoben sich zwar in eine frühere Projektphase, führten jedoch insgesamt zu schnelleren Entscheidungsprozessen und weniger Korrekturschleifen.
Ja – wir würden jederzeit wieder so arbeiten, insbesondere bei komplexen Bestandsprojekten.