Eine historische Trotte, ein Holzbauer mit eigenem Laserscanner und ein Modell, das jeden einzelnen Balken so zeigt, wie er wirklich dasteht: krumm, verdreht, teilweise beschädigt. Genau darin lag die Aufgabe.
Der Auftrag: zwei Disziplinen, ein Projekt
Auftraggeberin war die A&L Holzbau AG. Die Laserscanaufnahme der Trotte erfolgte direkt durch den Holzbauer selbst – vor Ort, mit eigener Technik und eigenem Know-how. Für die anschliessende Modellierung wurde VDE beauftragt.
Das ist kein Widerspruch, sondern eine sinnvolle Aufteilung: Wer täglich mit Holzkonstruktionen arbeitet, kennt sein Gebäude und seinen Scanner. Die Umwandlung von Millionen Messpunkten in ein verformungsgerechtes 3D-BIM-Modell ist jedoch ein eigenständiger Arbeitsschritt – er verlangt Erfahrung in der Interpretation von Punktwolken und in der Bestandsmodellierung, die in dieser Detailtiefe Profiarbeit ist.
Laserscanning und Scan-to-BIM sind zwei unterschiedliche Disziplinen. Die Punktwolke bildet die Grundlage, die eigentliche Planungsgrundlage entsteht aber erst durch die fachgerechte Modellierung.
Die Realität einer alten Holzkonstruktion
Wer ein 300 Jahre altes Tragwerk modelliert, trifft nicht auf saubere, rechtwinklige Bauteile. Er trifft auf die Spuren von Jahrzehnten: verzogene Bretter, fehlende Elemente, Löcher, gebrochene Sparren.
Bei diesem Projekt musste für praktisch jedes Bauteil einzeln entschieden werden, wie mit der Realität der Punktwolke umzugehen ist.
Der Aufwand in Zahlen
Für die Modellierung waren drei Modellierer im Einsatz. Insgesamt flossen 293 Arbeitsstunden in das Projekt, bis aus der gelieferten Punktwolke ein vollständiges, koordiniertes 3D-Modell entstand.
Das Ergebnis
Am Ende steht ein Modell, das die historische Trotte bauteilweise abbildet: jeder Balken, jede Strebe, jedes Brett dort, wo es tatsächlich sitzt – mit allen Verformungen, Lücken und Eigenheiten, die ein solches Gebäude über Jahrzehnte entwickelt hat. Für den Holzbauer bedeutet das eine Planungsgrundlage, auf die er sich verlassen kann, ohne die reale Geometrie ein zweites Mal aufnehmen zu müssen.
Und für alle, die bereits eine eigene Punktwolke besitzen – Holzbauunternehmen, Vermessungsbüros, Architekturbüros: Genau hier setzt VDE an. Aus vorhandenen Scandaten entsteht ein hochpräzises, verformungsgerechtes BIM-Modell, ganz gleich, wer die Aufnahme selbst durchgeführt hat.